Die Nutzung eines Rollators macht Sie nicht automatisch zu einer Person mit anerkannter Gehbehinderung. Ein Rollator ist ein Hilfsmittel zur Mobilitätsunterstützung, während eine offizielle Gehbehinderung eine rechtliche Anerkennung mit bestimmten Voraussetzungen erfordert. Die Berechtigung hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung und dem Grad der Beeinträchtigung ab.
Was bedeutet rechtlich gesehen „gehbehindert“ und welche Rolle spielt der Rollator?
Eine Gehbehinderung liegt vor, wenn die Fortbewegungsfähigkeit auf Dauer erheblich beeinträchtigt ist und ein Grad der Behinderung von mindestens 50 festgestellt wird. Das deutsche Sozialgesetzbuch definiert Behinderung als körperliche, seelische oder geistige Beeinträchtigung, die länger als sechs Monate andauert.
Der Rollator selbst begründet keine Behinderung, sondern ist lediglich ein Hilfsmittel zur Kompensation von Mobilitätseinschränkungen. Die rechtliche Bewertung erfolgt immer aufgrund der medizinischen Diagnose und deren Auswirkungen auf die Gehfähigkeit. Rollatoren werden als Mobilitätshilfen eingestuft, die Menschen dabei unterstützen, ihre Selbstständigkeit zu erhalten.
Die Abgrenzung ist wichtig: Ein Hilfsmittelbedarf zeigt eine Einschränkung an, führt aber nicht automatisch zur Anerkennung einer Schwerbehinderung. Viele Menschen nutzen Rollatoren präventiv oder bei leichten Gleichgewichtsproblemen, ohne dass eine schwerwiegende Behinderung vorliegt.
Wann berechtigt ein Rollator zu einem Schwerbehindertenausweis?
Ein Schwerbehindertenausweis wird nicht durch die Rollatornutzung, sondern durch die zugrunde liegende Erkrankung und deren Schweregrad begründet. Der Grad der Behinderung muss mindestens 50 betragen, damit ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt wird.
Typische Grunderkrankungen, die zur Rollatornutzung führen und eine Schwerbehinderung begründen können, sind schwere Herzinsuffizienz, fortgeschrittene Arthrose, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Parkinson sowie Amputationen. Bei einem MS-Rollator beispielsweise wird nicht das Hilfsmittel bewertet, sondern der Verlauf und die Ausprägung der Multiplen Sklerose.
Für den Antrag benötigen Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen der letzten zwei Jahre. Das Versorgungsamt prüft die Diagnosen und bewertet den Grad der Behinderung nach bundeseinheitlichen versorgungsmedizinischen Grundsätzen. Der Prozess dauert meist drei bis sechs Monate.
Welche Vorteile bringt die Anerkennung einer Gehbehinderung mit Rollator?
Bei anerkannter Gehbehinderung erhalten Sie verschiedene Nachteilsausgleiche, die Ihre Mobilität und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verbessern. Diese Vorteile gelten unabhängig davon, ob Sie einen herkömmlichen Rollator oder einen MS-Rollator verwenden.
Der blaue Parkausweis ermöglicht das Parken auf Behindertenparkplätzen und bietet Parkerleichterungen wie verlängerte Parkzeiten. Im öffentlichen Nahverkehr erhalten Sie oft Ermäßigungen oder Freifahrten, je nach örtlichen Regelungen und Grad der Behinderung.
Steuerlich können Sie einen Behinderten-Pauschbetrag geltend machen, der sich nach dem Grad der Behinderung richtet. Zusätzlich sind außergewöhnliche Belastungen wie Fahrtkosten zu Ärzten oder Therapien absetzbar. Am Arbeitsplatz genießen Sie besonderen Kündigungsschutz und haben Anspruch auf eine behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung.
Wie unterscheidet sich ein Wheellator von einem herkömmlichen Rollator bei Gehbehinderungen?
Ein Wheellator kombiniert die Funktionen eines traditionellen Rollators mit denen eines Rollstuhls und bietet dadurch mehr Flexibilität bei verschiedenen Gehbehinderungen. Diese Kombination macht ihn besonders wertvoll für Menschen mit wechselnder Belastbarkeit oder fortschreitenden Erkrankungen.
Der entscheidende Unterschied liegt in der dualen Nutzungsmöglichkeit: Sie können das Gerät sowohl als Gehhilfe verwenden als auch sich darauf setzen und wie in einem Rollstuhl fortbewegen lassen. Diese Flexibilität ist besonders vorteilhaft bei Erkrankungen wie Multipler Sklerose, bei der die Gehfähigkeit stark schwanken kann, oder bei Parkinson, bei dem Freezing-Episoden auftreten können.
Sicherheitstechnisch bietet der Wheellator mehr Stabilität als herkömmliche Rollatoren und reduziert das Sturzrisiko erheblich. Die integrierte Sitzfunktion mit Fußstützen ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, sich bei Ermüdung sofort auszuruhen, ohne einen separaten Sitzplatz suchen zu müssen. Für Menschen mit Alzheimer bietet die erhöhte Stabilität und die Möglichkeit der Begleitung durch Angehörige zusätzliche Sicherheit.
Die Entscheidung zwischen einem herkömmlichen Rollator und einem Wheellator sollte gemeinsam mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt getroffen werden, basierend auf Ihrer spezifischen Diagnose, dem Krankheitsverlauf und Ihren individuellen Mobilitätsbedürfnissen. Beide Hilfsmittel können bei entsprechender medizinischer Indikation von der Krankenkasse übernommen werden.