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Ja, viel Bewegung ist bei MS grundsätzlich gut und sogar empfehlenswert. Regelmäßige körperliche Aktivität kann Entzündungsprozesse reduzieren, die Neuroplastizität fördern und typische MS-Symptome wie Fatigue, Muskelsteifheit und Gleichgewichtsprobleme verbessern. Wichtig ist jedoch die richtige Art und Intensität der Bewegung, angepasst an die individuellen Symptome und Krankheitsphasen.

Warum ist Bewegung bei Multipler Sklerose so wichtig für den Krankheitsverlauf?

Bewegung wirkt bei MS auf mehreren Ebenen positiv: Sie reduziert chronische Entzündungen im Nervensystem, fördert die Bildung neuer Nervenverbindungen und verbessert die allgemeine körperliche Funktion. Diese Effekte können den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen und die Lebensqualität erheblich steigern.

Die wissenschaftlichen Grundlagen zeigen, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Produktion entzündungshemmender Botenstoffe anregt. Gleichzeitig werden Wachstumsfaktoren freigesetzt, die das Nervensystem bei Reparaturprozessen unterstützen. Die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen zu bilden, wird durch Bewegung deutlich gefördert.

Besonders bei häufigen MS-Symptomen zeigt sich der positive Einfluss: Fatigue wird durch moderate Ausdaueraktivitäten reduziert, Muskelsteifheit lockert sich durch gezielte Dehnübungen, und Gleichgewichtsprobleme verbessern sich durch koordinative Übungen. Diese Verbesserungen sind nicht nur kurzfristig spürbar, sondern können langfristig zur Stabilisierung des Krankheitsverlaufs beitragen.

Welche Arten von Bewegung sind bei MS am besten geeignet?

Die besten Bewegungsformen bei MS sind schonende Aktivitäten, die an die individuellen Symptome angepasst werden können. Aqua-Training, Physiotherapie, leichtes Krafttraining und moderate Ausdauerübungen stehen dabei im Vordergrund. Diese Aktivitäten belasten die Gelenke wenig und lassen sich flexibel dosieren.

Aqua-Training ist besonders vorteilhaft, da das Wasser den Körper trägt und Überhitzung verhindert. Die Bewegungen sind gelenkschonend, und das kühle Wasser wirkt temperaturbedingten Symptomverschlechterungen entgegen. Schwimmen, Wassergymnastik oder einfaches Gehen im Wasser sind ideale Optionen.

Physiotherapie bietet individuell angepasste Übungen zur Verbesserung von Kraft, Koordination und Beweglichkeit. Leichtes Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht oder geringen Gewichten hilft dabei, Muskelschwäche entgegenzuwirken. Moderate Ausdauerübungen wie Spazierengehen, Radfahren oder Ergometertraining stärken das Herz-Kreislauf-System, ohne zu überlasten.

Yoga, Tai Chi und andere sanfte Bewegungsformen kombinieren körperliche Aktivität mit Entspannung und können besonders bei Spastik und Koordinationsproblemen hilfreich sein. Die Intensität sollte immer so gewählt werden, dass sie als angenehm empfunden wird.

Wie kann man bei MS-bedingten Mobilitätsproblemen sicher aktiv bleiben?

Bei Mobilitätseinschränkungen durch MS ermöglichen adaptive Hilfsmittel wie ein MS-Rollator sicheres Training. Wichtig sind Sicherheitsmaßnahmen wie rutschfeste Unterlagen, ausreichende Beleuchtung und die Vermeidung von Überhitzung. Die Aktivitäten sollten immer in einem sicheren Umfeld stattfinden.

Ein MS-Rollator oder spezialisierte Mobilitätshilfen bieten Stabilität und Sicherheit bei Gehübungen. Diese Hilfsmittel ermöglichen es, auch bei Gleichgewichtsproblemen oder Muskelschwäche aktiv zu bleiben. Viele Geräte lassen sich an die individuellen Bedürfnisse anpassen und bieten zusätzliche Funktionen wie Sitzgelegenheiten für Pausen.

Sturzprävention steht bei MS-bedingten Mobilitätsproblemen im Vordergrund. Dazu gehören die Beseitigung von Stolperfallen, das Tragen geeigneter Schuhe und die Nutzung von Handläufen oder anderen Stützen. Übungen sollten zunächst im Sitzen oder mit Festhalten durchgeführt werden, bevor freie Bewegungen versucht werden.

Die Trainingsintensität muss an schlechten Tagen reduziert werden. An guten Tagen kann mehr gemacht werden, aber immer mit dem Bewusstsein, dass sich der Zustand schnell ändern kann. Eine flexible Herangehensweise und das Hören auf den eigenen Körper sind entscheidend für nachhaltigen Erfolg.

Wann sollte man bei Multipler Sklerose auf intensive Bewegung verzichten?

Intensive Bewegung sollte bei akuten Schüben, starker Fatigue, Überhitzung oder dem Uhthoff-Phänomen vermieden werden. Warnsignale sind zunehmende Schwäche, Sehstörungen, starke Erschöpfung oder eine neurologische Symptomverschlechterung. In diesen Phasen sind Ruhe und angepasste, sehr sanfte Bewegungen angebracht.

Das Uhthoff-Phänomen beschreibt die vorübergehende Verschlechterung von MS-Symptomen durch Wärme oder körperliche Anstrengung. Wenn Symptome wie Sehstörungen, Schwäche oder Koordinationsprobleme während oder nach dem Training auftreten, sollte die Intensität sofort reduziert oder eine Pause eingelegt werden.

Während akuter Schübe benötigt das Nervensystem Ruhe zur Regeneration. Intensive körperliche Belastung kann die Entzündungsreaktion verstärken und die Erholung verzögern. In dieser Zeit sind nur sehr sanfte Bewegungen wie leichte Dehnübungen oder kurze Spaziergänge empfehlenswert.

Überhitzung ist bei MS besonders problematisch, da sie bestehende Symptome verstärken kann. Bei hohen Außentemperaturen, Fieber oder intensivem Training sollte besondere Vorsicht walten. Kühlende Maßnahmen, ausreichend Flüssigkeit und klimatisierte Räume helfen dabei, sicher aktiv zu bleiben. An Fatigue-Tagen ist es wichtiger, auf den Körper zu hören und die Aktivität entsprechend anzupassen, als starr an einem Trainingsplan festzuhalten.